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#cailiau/story Das sich sets erneuernde Problem der unbekannten Komplexitat ist vielleicht die Hauptgefahr für die Ökosysteme. Ein einfacher Eingriff, wie die Rückführung von Zellmaterials eines Verstorbenen, kann das Gleichgewicht der biologischen Prozesse stabilisieren. Dieses Ergebnis wird von uns Gärtnern angestrengt. Jedoch werden zwangsläufig immer auch Wechselwirkungen und langfristige Folgen verursacht, die wir nicht antizipiert haben. Unser Wissen über die Ökosysteme ist begrenzt. Die Pflanzen befinden sich in stetiger natürlicher Mutation und auch wir experimentieren mit Genmanipulierung um die Bedürfnisse der Besatzung so gut wie möglich, oder besser so effizient und redundant wie möglich zu gewährleisten. Aber selbts im Falle ohne Mutation gibt es Zusammhänge und Nachwirkungen, die uns noch unbekannt sind, oder über die uns ein unvollständiges oder leicht verzerrtes Verständnis vorliegt. Kommen einige dieser Abweichungen zusammen kann ein Ökosystem schnell kippen. Das muss mit allen Mitteln verhindert werden. Denn der Aufbau eines Ökosystems ist besonders von dieser unvorhersehbaren Empfindlichkeit geprägt. Bis ein Ökosystem wieder zu seiner maximalen Aktivität heran gewachsen ist, müssen viele Anäufe gestartet werden die Neigung zu kippen zu überwinden. Je größer es wird, desto stabiler ist es auch. ~Notizen zum Gleichgewicht der Ökosysteme
Zu gefährlich! dachte R. Zu gefährlich. Der hochgewachsene aber hagere, alte Mann ratterte belehrend, eine Heuristik der Gärnter-Schule wie eine Warnung herunter: "Experimente dürfen nur durchgeführt werden, wenn die erwartete Mehrleistung die durchnittliche worst-case Verluste um mindestens einen Faktor von \lambda übersteigt. ... Ihr kennt alle die Richtlinen der Gärntner dieser Besatzung. Ich weiß nicht warum wir weiter über diesen Vorschlag reden. Okösystem 7 ist im halbkritischen Zustand und Ökosystem 2 wurde nach dem letzten Kippen gerade erst wieder auf eine Leistung gebracht, auf der wir uns erlauben können nicht immer mindestens eine Schicht in den Mu-Schlaf zu setzen, und Ihr kommt mir mit sowas. Gibt es weitere Informationen, die mir nicht vorliegen?" Niemand der answesenden Personen schien sich verantwortlich zu fühlen zu antworten. Seine fordernde Mine war trotz Vollbart und einem Gesicht voller Sorgenfalten sehr deutlich. Die buschigen Augenbrauen auf der pigmentierten Haut voller Leberflecken und Unregelmäßigkeiten waren nach oben gezogen, sodass seine Stirn horizontale Falten warf. Seine Augen schauten unter müden Augenliedern messerscharf in die Runde. "Ich sehe nicht, wie dieser Vorschlag einer Prüfung durch meine Gärtner standhalten soll, noch kann ich mir abringen, dass es sinnvoll wäre, unsere kostbare Zeit für diese Prüfung aufzubringen.", schloss er. Seine Haltung entspannte sich etwas, doch seine Stimme war von unmissverständlicher Ernsthaftigkeit. Er hatte seine Einschätzung kundgegeben. Nun wartete er.
Eine ruhige, aufrecht sitzende Frau mit grauen Haaren ergirff das Wort. "R, hör gut zu!", forderte Sie den alten Gärtner, "Es gibt neue Informationen, die Anlass geben ein gewisses Maß an Risiko einzugehen." Ihre junge Stimme war so weich, wie das sonnengelbe Licht, dass aus keiner expliziten Stelle im Raum zu kommen schien. "Sicher hat deine ausgeprägte Beobachtungsgabe schon festgestellt, dass einige Funker und Strategen seit Tagen nicht an den Tänzen und Unterrichtsstunden teilnehmen." R senkte den Blick. Tatsächlich war ihm das schon aufgefallen. T setzte mit ihrer warmen Stimme fort: "Ich darf seitens der Funker noch nicht über Genaueres reden, da Sie noch nicht zu einer Einschätzung gekommen sind. Sagen wir es so:" Ihr entfuhr ein kleiner Seufzer, der R in verwirrter Ahnung von neuen Problemen zurückließ. "Wir haben begründetes Interesse Ökosystem 7 für einige Zeit über die langfristig haltbaren Kapazitäten hinweg zu nutzen um potentere, lange haltbare Vorräte anzulegen. Dafür schlagen wir die eben vorgestellten speziell dafür entwickelten Phenotypen vor, die zumindest in unseren Modellen in 90% der Simulationen für Jahre im Gleichgewicht miteinander leben. Wir möchten diesen Vorschlag von euch prüfen lassen. Selbst wenn Ökosystem 7 früher kippt könnten wir nach unseren Berechnungen die Zeit des Ökosystem-Neu-Aufbaus, - bei konservativer Schätzung mit vielen Neuanfängen - um ein Vielfaches überbrücken mit den reichhaltigeren Erträgen, die bis zum Kipppunkt angelegt werden könnten." Ihr sommersprossiges Gesicht verriet, dass T überlegte zu einem weiteren Satz anzusetzen und sich aber umentschied. R war zutiefst beunruhigt. Vorräte? Das letzte mal, als das Diskusion war, wurde eine kommender Sonnensturm befürchtet, der in den Simulationen fast alle Ökosysteme zum kippen brachte. Die Besatzung hatte in 30% der Simulationen die Ökosystem-Aufbau-Zeit überlebt. Es war fraglich, wie viel Bedeutung man den Simulationen zurechnen sollte, aber Sonnenstürme machten den Pflanzen immer zu schaffen. Es schien also etwas vergleichbares zu sein. "Vielen Dank." entgegnete R nun schlicht. "Ich werde der Bitte nachkommen und die Gärtner für diese Aufgabe freistellen." Er war beunruhigt. Er war immer beunruhigt, die Ökosysteme waren ein Balanceact auf Messers Scheide. Mit sich ständig verändernden Gewichten an den Armen. Und dazu noch teilweise blind. Wenn man es so nahm, war es ein Wunder, dass es überhaupt gelang die meiste Zeit ohne den Mu-Schlaf auszukommen. Aber das war besonders beunruhigend. Aber das half nichts. Sorge war nicht hilfreich bei der Herstellung und Erhaltung empfindlicher Ökosysteme. Stetige Überwachung und zyklisches Hinterfragen der eigenen Vorannahmen war hilfreich, aber keine Grübelei. Er würde sich nach der Ratssitzung im Gemeinschaftstanz von den Gedanken dieser unbekannten Bedrohung freitanzen und sich dem widmen, das er tun konnte. Diese verdammte Prüfung veranlassen und sich dem Ökosystem 2 widmen, damit wieder einen guten Zustand erreicht.