erste Story drafts und kleinere änderungen in charaktern
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#cailiau/story
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*Es muss bedacht werden, dass mit der Menge an Informationen die Komplexität eines Erinnerungs-Raums steigt. Irgendwann wird eine unscharfe Grenze überschritten und eine Auslagerung in Unter-Räume ist notwendig. Diese Auslagerung bedingt aber eine Umstrukturierung des Wissens und damit eine Umformulierung der Mantra-Kanons, die dieses Wissen repräsentieren und den Erinnerungs-Raum konstruieren. Dieser muss neu eingeübt, gelernt, verinnerlicht werden. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass größere Umstrukturierungen die Besatzung über einige Zeit in Anspruch nehmen, in der Anderes nicht archiviert werden kann. Das muss in der Komposition, im Entwurf stets bedacht werden. Es muss ein Gleichgewicht gefunden werden. Auf der einen Seite muss der Kanon einprägsam sein, durch elegante Entwürde und intuitive Komposition. Auf der anderen Seite muss die Erweiterbarkeit, die Veränderbarkeit durch möglichst minimale Veränderungen möglich sein. Eine in früher Entwürfen ungeschickt gewählte Datenstruktur vergrößert bei Erweiterung oder Veränderung den Aufwand und die Anzahl an dafür notwendiger Anpassungen exponentiell.
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~ Handbuch der Archivierung*
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Die Stimmen rezitierten erneut die komplex-rythmischen Matras des Erinnerungsraums. Manch heisere, andere wie geölt, einige zittrige und wenige kindliche Stimmfarben griffen wie kräfitge Hände inneinander und wuchsen zu einer energiegeladenen hyptotisierenden Beschwörung zusammen, die den physischen Raum knistern ließen vor Ladung. Seit Stunden existierte für Y nichts, außer des gleichförmigen und reißenden Stroms immergleicher gedanklicher Vorstellungen eines Raums, in dem in allen möglichen Dingen und Winkeln, in jedem Detail dieses Raums Informationen, Begriffe, Erinnerungen, Formeln, Konzepte oder Links zu anderen Räumen oder Unterräumen abgelegt waren. Ihr gesamter Körper vibrierte im Fluss der Silben und Strophen. Die Wärme ihrer eigenen Stimme durchströmte ihren Körper wie ein helles Licht. Der Rythmus der Konsonanten trommelte auf ihr Zwerchfell, ihr Atem war seit Stunden synchronisiert mit dem aller. Es waren die Strophen des Kanons des Ökosystem-Gleichgewicht-Raums, die sie unablässig wiederholten. Es wurden einige Detail-Ergänzungen vorgenommen und die Lokationen einiger Unterräume und Links hatte sich zur aktuellen Version geändert. Die zuständigen Archiv-Architekten hatten sich dieses Mal besonders Mühe gegeben die komplexeren Informationen mit abwechslungsreicheren Melodien auszustatten, um die Einprägsamkeit der Details zu erhöhen. Das ließ auf eine Einschätzung schließen, dass diese neu gewonnenen Erkenntnisse der Gärtner besondere Wichtigkeit besaßen. Die Aufzählungen waren wie sonst auch von sich wiederholenden Melodiethemen und mit Zähler anzeigendem Auftakt ausgestattet, jedoch machte der Anspruch das Inhaltliche in der Melodieführung wiederzuspiegeln den Architekten oft Probleme. Im Grunde kodierten alle Note-zu-Note-Beziehungen schon spezielle Informations-Strukturen und es wurde zunehmend schwerer intuitive Entsprechungen zu neuen Konzepten zu finden. Y schien diese Version allerdings gut gelungen. Sie sah darin eine Kunstform einen -do und ihr machte es eine ganz eigene Freude sich dem Archivierungs-Syntax und der meist monotonen und halbton- und ganztonschritt-lastigen Melodie hinzugeben. Sie internalisierte ganze Raumsysteme ohne Probleme und hatte nach einigen Wiederholungen schon verfügbare Aufmerksamkeit um die Arbeit der Archiv-Architekten zu bewerten. Sie kamen nun an die Stelle im Mantra-Kanon, in dem die neuen Informationen lokalisiert wurden. Die kraftvolle und in dieser Strophe etwas abwechslungsreichere, wenn doch auch insgesamt noch minimalistische Melodie und der Sanskrit-ähnlich-ratternd-regelmäßige, rythmische Klang des Archivierungssyntaxes fuhr ihr durch Mark und Bein und konstruierte den Erinnerungsraum kristallklar vor ihrem inneren Auge. Jedes Datenpaket wurde im Archivierungs-Syntax explizit heruntergebetet; die Metadaten und die zu speichernden Informationen mit Anspielungen auf bekannte Geschichten oder geteilte Erinnerungen, die als Einfassung der Informationen dienten. Im Grunde wurden alle Gegebenheiten des menschlichen evolutionär entwickelten Geists mit einbezogen worden um einen möglichst einprägsamen Konons zu komponieren. Die packende und mitreißende gemeinsame letzte Darbietung des Mantra-Kanons dieses Erinngerungs-Raums erreichte ihr Ende und das langsame beruhigende schließende-Klammer-Mantra wurde rezitiert. Die Stimmen der Alten wie Jungen waren potent und geladen, jedoch auch von einer subtilen Erschöpfung durchtränkt. Die Luft war nach Archivierungssessions immer so fest und kühl, dass man meinte, man könne sich kaum bewegen.
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Dann Stille. Man hatte vor Generationen schon herausgefunden, dass die Erinnerungsräume stabiler waren, wenn ihrer Rezitation eine stille Meditation folgte. Y war von den Rezitationen aber meist nicht übermäßig strapaziert und widmete sich still sitzend und bewusst-langsam atmend Anderem.
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